Premiere in der Alten Messwarte:

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Die HIMA Paul Hildebrandt GmbH war in diesem Jahr Ausrichter der Fachtagung "Höchster Sicherheit 2015".

Erste Fachtagung „Höchster Sicherheit 2015“ war ein voller Erfolg

Höchstmögliche Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Anlagenverfügbarkeit – diese drei Aspekte standen im Fokus der Fachtagung „Höchster Sicherheit 2015“. Für den 7. Oktober hatten acht renommierte Unternehmen in den Industriepark Höchst (IPH) nach Frankfurt am Main geladen. In der Alten Messwarte folgten rund 80 Teilnehmer den Vorträgen der Sicherheitsexperten von HIMA, Pepperl+Fuchs, Valmet Automation, SAMSOMATIC, TÜV SÜD Chemie Service, E-T-A Elektrotechnische Apparate, VEGA und emation. Abgerundet wurde die ganztägige Veranstaltung durch eine Fachausstellung.

Die zentrale Rolle spielten an diesem Mittwoch sicherheitsrelevante Fragen bei modernen Produktionsverfahren – von der Sensorik über die Schutzkreise und Prozessleittechnik bis hin zu Managementsystemen zur funktionalen Sicherheit und rechtlich-technischer Vorgaben. „Wir möchten hier und heute eine Brücke schlagen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Moderne Sicherheitslösungen basieren auf langjährigen Erfahrungen aus der Prozessindustrie, wo Sicherheit Tradition hat“, sagte Jens Appel, der die Veranstaltung wesentlich geplant und organisiert hat und als Vertriebsingenieur bei der HIMA Paul Hildebrandt GmbH im Service-Center Höchst arbeitet. Der Ort war passend gewählt: Der historische Leitstand der Alten Messwarte ermöglicht „eine Zeitreise“ in die 60er Jahre.

Der erste Referent war Fred Stay, Senior Safety Consultant beim HIMA. Sein Vortrag “SIL-Verifikation im Sinne des Functional Safety Management” thematisierte die Einordung von Schutzsystemen bezogen auf Safety integrity level (SIL). Schon bei der Planung einer Anlage sollten bspw. die Wahrscheinlichkeit für ein gefahrbringendes Versagens bei Anforderung (PFD – Probability of Failure on Demand) einbezogen werden. „Dazu gehören detaillierte SIL-Verifizierungsberichte, die auch Reparaturen und Proof-Tests berücksichtigen. Diese Berichte sind zugleich grundlegend für optimierte Wartungsstrategien“, sagte Fred Stay.

Im folgenden Vortrag „Neue Installationsnorm – Auswirkungen auf die Eigensicherheit“ berichtete Michael Wenglorz, Trainer für Explosionsschutz und funktionale Sicherheit bei der Pepperl+Fuchs GmbH über aktuelle Entwicklungen und den Stand der Technik zu Installationen in explosionsgefährdeten Bereichen. „Damit es in den Zonen, in denen sich zündfähige Gas- und Stoffgemische bilden können, zu keinen Gefährdungen kommt, sind die Auswahl geeigneter Komponenten und die sach- und fachgerechte Installation zwingend.“ Eine sichere Orientierung dazu bietet eine neue technische Norm.

Prozessleittechnik und Sicherheitssysteme

Nach einer kurzen Pause mit fachlichem Austausch zwischen den Referenten und Teilnehmern begann Theo Münch, Head of Sales Automation Business Line bei Valmet Automation zur „Integration des sicherheitsgerichteten Systems in das Prozessleitsystem: Integriert und doch separat“. „Prozessleittechnik und Sicherheitssysteme müssen üblicherweise strikt voneinander getrennt implementiert werden, damit ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet ist“, sagt Theo Münch. „Neue Technologien ermöglichen, die Systeme effizienter zu kombinieren und die Sicherheit so weiter zu erhöhen.“

Wie das Rückströmen von Medien entgegen der bestimmungsgemäßen Durchflußrichtung in Versorgungsleitungen effektiv verhindert werden kann, schilderten Stefan Unland, Leiter der Abteilung Prozessautomation, und Sebastian Schulz, Projektleiter, bei der SAMSOMATIC GmbH. Ihr Vortrag „Rückströmsicherungen in sicherheitsgerichteten Kreisen“ beschrieb die Rückströmsicherung als ein Sicherheitstechnisches System, das als quasi „einbaufertige“ Einheit, bestehend aus Differenzdruckmessung, Logiksystem und Stellventilen, in eine Rohrleitung installiert werden kann. Ferner wurde beschrieben, wie man durch geschicktes Auslegen und Ansteuern der Stellventile sowohl die Sicherheitsanforderungen als auch eine hohe Anlagenverfügbarkeit gewährleisten kann und welche Dokumentation dem Betreiber übergeben wird.

In der zweiten Tageshälfte berichtete Thomas Greulich, unabhängiger Prüfer im Bereich Elektrische Sicherheit bei der TÜV SÜD Chemie Service GmbH über „Anforderungen an Überfüllsonden in Abhängigkeit der Anwendungsbereiche“. Welche Werkstoffe, Komponenten und Sicherungssysteme sind geeignet, um Behälter vor dem Überfüllen zu schützen? „Beim Inverkehrbringen und je nach Anwendungsgebiet sind umfassende Kenntnisse der verschiedenen Rechtsgebiete und Regelwerke erforderlich, um das gesamte System rechtskonform und sicher auszulegen“, so Thomas Greulich. Prüfungen vor Inbetriebnahme sowie die wiederkehrenden Prüfungen sind hier von besonderer Bedeutung.

Mehr als nur SIL-Level betrachten

Danach sprach Dieter Arenz, Applikationsspezialist für Systemlösungen bei E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH zum Thema „Anlagenverfügbarkeit erhöhen – mit intelligenter DC 24 V-Absicherung“. Die Sicherungsautomaten und Schutzschalter des Unternehmens sichern elektrische Bauteile wie Sensoren, Steuerungen Prozessoren und Aktoren wirkungsvoll gegen Kurzschlüsse und Fehlerströme. „Insbesondere innovative elektronische Schutzschalter unterbrechen den Stromkreis zuverlässig, wenn kritische Stromspitzen die angeschlossenen Verbraucher bedrohen“, stellt Dieter Arenz fest.

Weiter ging es mit einem Vortrag von Holger Sack, Leiter Produktmanagement bei VEGA. „Eine sichere Füllstand- und Druckmessung hängt von mehr als nur dem SIL-Level ab“ lautete eine Kernaussage. „Für uns beginnt die Sicherheit schon bei der Parametrierung und Bedienung, die wir mit Hilfe modernster Elektrotechnik so einfach wie möglich gestalten.“ Das gilt insbesondere bei Füllstandsmessern für Schüttgüter, die durch hochfrequente Radar-Strahlung rauscharme und damit noch verlässlichere Messergebnisse liefern.

Abschließend berichtete Christian Helsper, Sales Manager bei emation über das „SCADA-System ControlMaestro in sicherheitsgerichteten Applikationen“. Die Software zur Darstellung und Steuerung der Sicherheitssysteme ist ein wesentlicher Baustein der Sicherheitsarchitektur vieler Prozessanlagen. „Flexible Systeme bedürfen eines ebenso flexiblen SCADA-Systems welches für die unterschiedlichsten Darstellung angepasst werden kann“, sagt Christian Helsper. Das ist in der Öl-, Gas- und Chemieindustrie besonders relevant.

Am Ende bestätigten die Rückmeldungen von den Teilnehmern und Veranstaltern den Erfolg der praxisbezogenen Tagung. Positives Feedback gab es nicht zuletzt für das ausgezeichnete Catering. Kommendes Jahr setzten die Unternehmen das Event fort und bieten der Prozessindustrie auch dann wieder sicherheitsrelevantes Praxiswissen aus erster Hand.