Globales Ichthys Projekt


Inpex_Header_crop_20160831

© INPEX

Die zentrale Verarbeitungsanlage Off-shore, Südkorea, September 2015.  

Die zentrale Verarbeitungsanlage Off-shore, Südkorea, September 2015. © INPEX

Richtig verbunden: Ein Sicherheitsnetz für die Gasförderung

Mit dem „Ichthys-Projekt“ erschließt das japanische Energieunternehmen Inpex derzeit die größte Entdeckung flüssiger Kohlenwasserstoffe, die vor Australien in den vergangenen 40 Jahren gemacht wurde.

Nordwestlich vor der Küste lagern Erdgas und Kondensat. 50 Unterseebohrungen verbinden die Rohstoffvorkommen mit einer riesigen schwimmenden Halbtaucher-Plattform. Von dort führt eine knapp 900 Kilometer lange Pipeline zur Verflüssigungsmaschine  in Darwin. Die Offshore- und Onshore-Anlagen zählen zu den modernsten der Welt - mit Sicherheitstechnik aus Brühl bei Mannheim. Die HIMA Paul Hildebrandt GmbH liefert in insgesamt 430 Schaltschränken die Sicherheitstechnik, einschließlich der Schutzeinrichtungen, des Brand- und Gasschutzsystems  sowie der Überdrucksicherheitssysteme  und vernetzt diese funktional mit allen relevanten Anlagenbereichen.

Modulares Mammutprojekt

Die zentrale Herausforderung ist nicht etwa die räumliche und technische Größe des Projekts oder das eingesetzte Material. Vielmehr ist es die Koordination über Ländergrenzen und kulturelle Unterschiede hinweg. Hinzu kommen ein straffer Terminplan zwischen dem Input des Engineerings und der Abnahme sowie Zusatzmodifikationen durch eine frühzeitig auf den späteren Betrieb hin feinjustierte Auslegung. Ohne das von Brühl aus koordinierte Projektmanagement hätten die langjährig ineinander greifenden Prozessschritte nicht erfolgreich umgesetzt werden können.

Das Ichthys-LNG-Projekt Onshore-Anlage, Entstehungsphase, September 2015  

Das Ichthys-LNG-Projekt Onshore-Anlage, Entstehungsphase, September 2015 © INPEX

Von der Planung bis zur Abnahme

Bereits vor Auftragsbeginn haben HIMA-Experten Hardware- und Softwareteilfunktionen mit dem Leitsystem-Hersteller für den Endkunden entwickelt, integriert, getestet und validiert. Das war unter anderem entscheidend, weil diese Komponenten zu einem integrierten Kontroll- und Sicherheitssystem  gehören. Das HIMA-Team befasste sich vor allem mit dem Engineering und dem Design. Ziel war es, frühzeitig die Spezifikationen zu klären, um spätere Nachplanungen und damit verbundene Zusatzaufwände zu minimieren. Vorgelagert betrachtet wurden zudem spezifische Anwendungen und verschiedene Verschaltungsmöglichkeiten von Feldgeräten.

Die Onshore- und Offshore-Anlagen und die Pipeline sind an insgesamt 25.000 sicherheitsgerichteten Ein- und Ausgabepunkte angeschlossen. Die sichere Vernetzung erfolgt über das HIMA-eigene Protokoll safeethernet. Das Cybersicherheits- und Netzwerkmanagement schließt die Installation der zugehörigen Hardware ein sowie Komponenten wie Rauchmelder für die Aufenthaltsquartiere der Mitarbeiter. Auch zahlreiche Workstations und Server mit zusätzlichem Recovery-System sind Bestandteile des Auftragsvolumens.

Beim Ichthys-Projekt ermöglichen HIMax®-Sicherheitssteuerungen von HIMA einen unterbrechungsfreien Systembetrieb, der neben der Sicherheit die Anlagenverfügbarkeit und Produktivität maximiert. Die Schutzsysteme sind konform mit den Normen IEC 61508 und IEC 61511 und erfüllen Anforderungen nach SIL 3 und SIL 4. Die eingesetzten Planar4-Steuerungen erreichen mit SIL 4 die höchstmöglichen Sicherheitsstandards nach der IEC-Norm 61508.

Weltweite Koordination

Von den weltweit fünf HIMA-Standorten, die in das Projekt eingebunden sind, ist neben Brühl vor allem Singapur von strategischer Bedeutung. Im Rahmen der weltweiten Abstimmung bot der Stadtstaat die kürzesten Wege für alle Beteiligten. Vor Ort vertreten sind neben Inpex und den Sicherheitstechnikern von HIMA die drei Vertragspartner für die Konstruktion, Beschaffung und Ausführung  sowie der Leitsystemhersteller. Um direkt und ohne Zeitverlust zu kommunizieren, waren alle Vertragspartner in einem Gebäudekomplex zusammengezogen.

In Singapur wurden auch die Funktionstests des kompletten integrierten Kontroll- und Sicherheitssystems an insgesamt über 1.200 Schaltschränken durchgeführt. Denn zu den von der HIMA Paul Hildebrandt GmbH gelieferten Schaltschränken kamen noch einmal 800 Schaltschränke der Leitsystemhersteller und Vertragspartner. Dabei wurde die gesamte Sicherheitstechnik auf drei Stockwerke verteilt: je ein Stockwerk für die Halbtaucher-Plattform, die Verflüssigungsanlage und für die Onshore-Anlage. Alle Anlagen wurden in optimierter Zeit zu 100 Prozent erfolgreich abgenommen.

Das Monoethylenglykol-Injektionsmodul wird auf die schwimmende Halbtaucher-Plattform gehoben und installiert.  

Das Monoethylenglykol-Injektionsmodul wird auf die schwimmende Halbtaucher-Plattform gehoben und installiert. © INPEX

Für die Zukunft gerüstet

Die Entscheidung fiel auch deshalb für HIMA, weil es sich früh auf den wachsenden Kostendruck und die neue Komplexität im Anlagenbau eingestellt hat. Mit der Zeit zu gehen heißt auch, zunehmend auf modularisierte und standardisierte Komponenten zu setzen. Das sorgt bei Großprojekten und unter extremen Einsatzbedingungen für eine höhere Fertigungsqualität, günstigere Preise, kürzere Realisierungszeiten und minimierte Aufwände auf der Baustelle vor Ort.

Die neue Komplexität betrifft aber nicht nur die Technik. Bei der Funktionalen Sicherheit müssen die Betreiber eine Vielzahl von sich stetig wandelnden Gesetzen, Richtlinien und Normen beachten. Über den gesamten Lebenszyklus muss ein Managementsystem etabliert sein - vom Entwurf und der Umsetzung bis zum Fertigungsprozess. Maßgeschneiderte Sicherheitslösungen bedeuten für Betreiber in der Regel eine höhere Verfügbarkeit der Anlage, geringere Wartungskosten und nicht zuletzt verbesserte Versicherungskonditionen.

Autor:
Dieter Specht, Technischer Projektdirektor, HIMA Paul Hildebrandt GmbH

Das Ichthys-Projekt von der Entdeckung bis zur Erschließung

Das Gasfeld vor der Küste Australiens wurde vor 9 Jahren entdeckt. Ein Jahr später erfolgte die Evaluierung. Die Entscheidung für das Vorprojekt zu Ichthys fiel 2010. Erste Verträge wurden 2012 geschlossen und in den Folgejahren angepasst. In den Jahren 2014 und 2015 wurden dann verschiedene Gewerke wie die Installation von Kompressoren und Heizaggregaten realisiert. Aktuell läuft die Vorbereitung der Sicherheitstechnik für den Schiffstransport von Singapur nach Australien. Dieser soll nach Möglichkeit vor August eingeleitet werden, weil später mit den Jahreszeitbedingten Zyklon-Phasen zu extreme Witterungsbedingungen herrschen. Ende 2016 sollen jährlich 8,4 Millionen Tonnen Flüssiggas für den asiatischen Markt gefördert werden.

Pressekontakt

Herr Daniel Plaga

Tel.: (+49 62 02) 70 94 05
E-Mail: presse@hima.com

Download Success Story